Tischlermeister Reiner Noack aus Apenburg mit goldenem Meisterbrief geehrt

#Apenburg – Tischlermeister Reiner Noack aus Apenburg hat von der Handwerkskammer Magdeburg den goldenen Meisterbrief erhalten. Der 73-Jährige führte seinen Betrieb noch bis 2020. Ein Nachfolger fand sich nicht, der Sohn hat einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen.

Tischlermeister Reiner Noack aus Apenburg hat von der Handwerkskammer Magdeburg den goldenen Meisterbrief erhalten.
© Christian Reuter

Noack wurde 1953 in Apenburg geboren, der Vater war Tischler. „Anfangs befanden sich Wohnhaus und Tischlerei in der Hinterstraße, doch schon 1955/56 sind wir in die Salzwedeler Straße umgezogen“, blickt er zurück. Und fügt hinzu: „Ich habe schon als kleiner Junge meinem Vater in der Tischlerei geholfen. Der Beruf wurde mir praktisch in die Wiege gelegt.“

Trotzdem absolvierte Noack von 1970 bis 1972 seine Tischlerlehre nicht im Betrieb des Vaters, sondern in einer Möbelfabrik in Zeulenroda. „Ich wollte in die weite Welt“, erinnert er sich.

Damals sei Thüringen für ihn noch weit weg gewesen. Doch schon 1973 kehrte er in die Heimat zurück und begann, in der Tischlerei des Vaters zu arbeiten.

Noch im selben Jahr nahm Noack seine Meisterausbildung in Magdeburg in Angriff. Obwohl er noch keine drei Jahre Geselle gewesen war. Was eigentlich Voraussetzung ist, um seinen Meister zu machen. „Damals hieß es, die Meisterausbildung soll abgeschafft werden. Deshalb wurde ich dazu gedrängt, diese noch durchzuziehen“, berichtet der 73-Jährige.

Mit knapp 27 Jahren den Betrieb vom Vater übernommen

Am 7. Mai 1976 erhielt Noack seinen Meisterbrief. Als Meisterstücke fertigte er eine Haustür und zusätzlich noch einen Fernsehschrank an. „Die Haustür allein hätte nicht gereicht“, begründet er die Mehrarbeit. Denn der väterliche Betrieb sei überwiegend eine Bautischlerei gewesen, in der Fenster und Türen hergestellt wurden. Nur gelegentlich mal ein Möbelstück als Einzelanfertigung.

Bereits am 1. Januar 1980 übernahm Noack die Tischlerei vom Vater. Das bisherige Geschäftsfeld blieb bestehen. Also überwiegend Bautischlerei. Durch den Vater habe er aber auch viele private Stammkunden gehabt. Einer der größten Auftraggeber nach der Wende sei Schäfer Bau aus Apenburg gewesen, und für die Gemeinde seien ebenfalls Arbeiten erledigt worden.

Noack hat auch Lehrlinge ausgebildet, in der Regel alle drei Jahre einen. „Als ich 65 Jahre alt war, hat noch ein Lehrling bei mir angefangen. Deshalb habe ich noch bis 67 gearbeitet“, erklärt er. Ganz konkret bis zum 31. Dezember 2020. Noack: „Ich bin stolz darauf, den Betrieb 40 Jahre geführt zu haben.“

Danach habe er versucht, die Tischlerei zu verkaufen. Ohne Erfolg. Warum hat der Sohn das Unternehmen nicht übernommen? „Der hatte andere Pläne, er ist Dreher geworden“, sagt Noack, der seine eigene Berufswahl nie bereut habe.

Das Schönste an der Tätigkeit als Tischler: „Man konnte abends sehen, was man geschaffen hat.“ Apropos geschaffen. Da hat Noack auch im eigenen Haus einiges vorzuweisen. Die Küche und das erste Schlafzimmer habe er allein gebaut, dazu die Fenster und Türen, Regale, Decken, Badmöbel, zählt er auf.

Etwa 60 bis 70 Prozent der Möbel habe er selbst gefertigt. Im Haus gebe es auch immer etwas zu tun. Mitunter repariere er auch noch Dinge im Ort, wie die Sitzbänke im Waldbad oder mal einen Rollladen für Privatleute.

Seit 60 Jahren wirkt er im Spielmannszug der Feuerwehr mit

Bleibt noch Zeit für Hobbys? Ja. Gut, Fußball spiele er heute nicht mehr, das sei bereits mit 33 Jahren vorbei gewesen. Dafür wirkt Noack seit 60 Jahren beim Spielmannszug der Feuerwehr mit, ist passives Mitglied der Feuerwehr und auch Mitglied im Burgverein, der sich den Erhalt der Burg in Apenburg auf die Fahnen geschrieben hat.

Und sonst? „Wir versuchen, das Leben zu genießen“, sagt Noack. Seine Frau, eine gelernte Krankenschwester, und er unternehmen gerne mal eine Busreise. Oder freuen sich über die gemeinsame Zeit mit der Familie, zu der neben dem Sohn noch eine Tochter mit zwei Kindern gehört.

VON CHRISTIAN REUTER

Quellenangabe: Altmark Zeitung vom 06.05.2026, Seite 4

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