Im neuen Stück der Apenburger Laien-Theatergruppe geht es um Macht, Geld und Intrigen

Der ganze Apenburger Burghof ist erstmals zu einer Bühne geworden. Die Laien-Theatergruppe des Ortes präsentierte dort gleich zweimal ihr neues Stück „Das Sühnekreuz“.

Veranstalter Andreas Schwieger (links) nahm Almut Joswig in den Arm, die für Buch und Regie verantwortlich zeichnete.
Fotos: Anke Pelczarski  VOLKSSTIMME

#Apenburg l „Wir hätten für jede der beiden Aufführungen 200 bis 220 Karten vergeben können. Doch aufgrund der Corona-Einschränkungen war das leider nicht möglich“: Das sagt Veranstalter Andreas Schwieger von der Siegel von Apenburg gGmbH. Also musste ein ausgeklügelter Sitzplan erarbeitet werden, bei dem Familien zusammensitzen durften, aber es genügend Abstand zu anderen gab. Die Gäste arrangieren sich damit, sind sie doch froh, endlich mal wieder unterhalten zu werden. „Das Theaterstück ist super. Es tut gut, dabei sein zu dürfen. Denn man ist richtig kultur-ausgehungert“, sagt beispielsweise Birgit Vollmer aus Salzwedel.

Sühnekreuz bei Rittleben gibt Anstoß für Stück

Bereits im Frühjahr haben die Proben begonnen. Denn für fast zwei Stunden reine Spielzeit ist nicht nur viel Text einzustudieren, sondern auch die Spielorte genau festzulegen. Die Laien-Schauspieler zwischen 6 und 80 Jahren haben fleißig gelernt und die Tipps ihrer Regisseurin Almut Joswig gern angenommen.

Die Taufe des Sohns von Lehnsherr Ludolf Hellberge und dessen Frau Flordelis von Hellberge wurde zelebriert.
Fotos: Anke Pelczarski  VOLKSSTIMME

Das Sühnekreuz bei Rittleben, das noch heute im Wald zu entdecken ist, gab den Anstoß für das Schauspiel. Es wurde 1693 dort aufgestellt, gibt aber Rätsel auf, weil der Text durch die abgeschlagenen Kreuzseiten nicht komplett zu lesen ist. „An langen Winterabenden haben wir zusammengesessen und überlegt, was dort geschehen sein könnte“, sinnerte Herold Martin (gespielt von Holger Altknecht) zu Beginn des kurzweiligen Nachmittages. Die Story, die auf dem Gebiet der Alten Mark spiele, sei allerdings „frei erfunden“.

Kutscher Albert (Detlef Weingart) brachte mit seiner Kutsche Anna, der Frau des Tagelöhners (Heidi Hardenberg) und deren Kinder Brot. Fotos: Anke Pelczarski  VOLKSSTIMME

Es geht um Macht, Geld und Intrigen: Auch heutzutage ist dies nicht fremd: Der Lehnsherr braucht unbedingt einen männlichen Nachkommen, um sein Vermögen ausgezahlt zu bekommen. Seine Frau brachte bislang kein Kind lebend zur Welt, ist aber wieder schwanger. Auch die Tagelöhnerin, deren Mann in Notwehr den Jäger zu Fall bringt, so dass dieser stirbt, erwartet erneut Nachwuchs. Die Schwiegermutter des Lehnsherrn denkt sich den Kindstausch aus, so dass sie ihrer Tochter einen Sohn „unterjubelt“. Der Kaufmannssohn, der das geliehene Geld vom Lehnsherrn zurückhaben möchte, kommt hinter das Geheimnis und hat ein Druckmittel. Am Ende stirbt die Schwiegermutter nach dem Genuss von vergifteten Wein.

Die Spielfreude ist den Mitwirkenden und ihren Unterstützern anzumerken. Immer wieder brandet Szenenapplaus auf. Denn jeder gibt sein Bestes, egal ob als Schauspieler, Komparse oder Musiker. Die Kostüme beeindrucken ebenso wie die Kulissen.

Die Zuschauer saugen das Gesehene regelrecht auf, denn Live-Kultur gab es schon eine Weile nicht mehr.

Umdrehen ausdrücklich erwünscht: Die Apenburger Laien-Theatergruppe hatte für ihr neues Stück „Das Sühnekreuz“ nicht nur die Bühne als Schauspielort auserkoren, sondern nutzte das gesamte Areal des Burghofes rund um die Zuschauer. In dieser Szene wollte Prior Konrad von Plauen (gespielt von Frank Raithel, links) vom Kaufmannssohn Tassilo Mönchberg (Daniel Mulorz) wissen, warum dieser es so eilig hat. Der Angesprochene wollte sein Geheimnis mit dem Geistlichen aber nicht teilen. Die Anregung für das von Almut Joswig geschriebene Drehbuch gab das noch vorhandene Sühnekreuz bei Rittleben. Fotos: Anke Pelczarski  VOLKSSTIMME

Mehr Bilder im Netz unter www.volksstimme.de/salzwedel

Von Anke Pelczarski VOLKSSTIMME

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