Apenburger Hobby-Historiker Günter Schröder forscht über den Bierkrieg

Der Kurfürst zog beim Bierkrieg mit einer Streitmacht gegen die Aufständischen. Laien-Schauspieler spielten die Zeit bei vergangenen Burgfesten nach. Fotos (2): Kai Zuber ALTMARKZEITUNG

Apenburg – In Sachen Bier kennt der Altmärker keinen Spaß. Steht die Zapfanlage still oder werden die Preise erhöht, gibt es Unmut unter der männlichen Bevölkerung. Das war schon im Mittelalter so. Der Apenburger Hobby-Historiker Günter Schröder forschte über den Bierkrieg in der Altmark anno 1488 und hat dazu sogar schon ein kleines Theaterstück für Laien-Schauspieler des Burgfestes inszeniert. Denn: Im Mittelalter war Bier in der Mark Brandenburg das tägliche Hauptgetränk für breite Bevölkerungsschichten und galt als Grundnahrungsmittel.

Alte Hansetradition

Bedeutende Braustandorte in der Altmark waren unter anderem in Gardelegen das Garley-Bier, in Salzwedel das Soltmann, in Tangermünde das Kuhschwanz-Bier und in Stendal das Taubentanz. Auch Kalbe, Seehausen, Werben und andere Orte hatten Brauereien. Außerdem gab es in vielen Dörfern solche Betriebe. In den Klöstern und Rittersitzen wurde eigenes Bier gebraut. In Apenburg weist das „Handbuch vom Regierungsbezirk Magdeburg“ 1842 noch zwei Brauereien aus. Die Hansetradition der Altmark reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Salzwedel wurde 1263 Mitglied der „Gotländischen Gesellschaft“, eine der Wurzeln der Hanse. Für Stendal, Havelberg, Werben, Seehausen und Gardelegen ist die Mitgliedschaft ab 1358 nachgewiesen, als hanseatischer „Taufbrief“ gilt ein Einladungsschreiben der Stadt Rostock zum Hansetag 1359 nach Lübeck. Eingeladen wurden alle die, die schon im Jahr zuvor am „Konferenztisch der Hanse“ Platz genommen hatten.

Profitabler Handel

Tangermünde wurde 1368 in die Hanse aufgenommen, Osterburg 1436. Die altmärkischen Hansestädte gehörten wie die Hansehauptstadt Lübeck zum sogenannten wendischen Drittel. Wegen des hohen Aufwandes nahmen nicht immer alle Städte an den jährlichen Hansetagen, auch Tagfahrten genannt, teil, sondern wählten aus ihrer Mitte Vororte. Meist vertraten Stendal und Salzwedel die Altmark, ausgestattet mit Vollmachten der anderen Städte. Im Kreuzungsbereich wichtiger Handelsstraßen und an der Elbe gelegen, hatte die Altmark beste Voraussetzungen für den Handel.

Die Geschäfte liefen gut, die Städte blühten auf. Die Bürger wurden selbstbewusster und übernahmen die Macht in den Städten, lehnten sich auch gegen die Landesherrschaft auf. So auch im Jahr 1488, als sich die Städte wegen einer Biersteuer gegen Kurfürst Johann Cicero erhoben. Im Handstreich zwang er sie nieder und forderte den Austritt aus sämtlichen Bündnissen – auch aus der Hanse. Lediglich Stendal und Salzwedel hielten sich nicht daran, sie blieben bis 1518 Mitglied der Hanse. Havelberg war es sogar bis 1559.

Spannende Geschichte

Die spannende Handlung über den Bierkrieg anno 1488 hat auch dramaturgisch einiges zu bieten: Die Apenburger Laienschauspieler um ihren Chefdramaturgen Günter Schröder setzten den Gerstensaft-Streit in der Mark Brandenburg bereits beim Burgfest mittelalterlich in Szene: Der Kurfürst der Mark Brandenburg, ein Enkel Friedrichs II., hatte von seinem Vater Albrecht nichts als Schulden geerbt. Sowohl Friedrich als auch Albrecht hatten versucht, durch die Erhebung der Bierziese ihre Kassen zu füllen. Sie waren jedoch im Landtag gescheitert. Erst Johann gelang es im Jahre 1488, den Landtag durch eine Reihe von Zugeständnissen zur Zustimmung zu bewegen. „Laut Erlass vom 9. Februar sollten von den zwölf Pfennigen je Tonne die Städte vier Pfennige und der Kurfürst acht Pfennige bekommen“, hieß es. Doch das nahmen die altmärkischen Biertrinker nicht hin. In Land und Stadt regte sich heftiger Widerstand. In dem Stück von Günter Schröder überbrachte ein Reiter die schlechte Botschaft: „Trinkt heute noch euer Bier – morgen könnt ihr es nicht mehr bezahlen.

Gefährlicher Aufruhr

In Stendal, Tangermünde und anderen Städten gibt es bereits Aufruhr und Gewalt! Bauern und der Apenburger Bürgermeister melden sich zu Wort: „Zwölf Pfennig. Das machen wir nicht mit. Holt die Mistgabeln und Sensen.“ Günter Schröder erklärt anhand historischer Fakten die Hintergründe für den Unmut von 1488: „Der Kurfürst Johann Cicero hatte den Landtag auf seine Seite gebracht, um seine Kassen zu füllen und mit der Bierziese Schulden abzutragen.“

 

Fotos (2): Kai Zuber ALTMARKZEITUNG

 

Die neue Steuer traf vor allem die Biertrinker aus dem einfachen Volk – Bauern, Bürger, Handwerker. Bier war das tägliche Getränk, weil es kaum sauberes Wasser gab. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts kostete eine Tonne Bier etwa vier Schillinge, das waren 48 Pfennige. „Die Bierziese bedeutete daher eine Preiserhöhung um 25 Prozent“, erläutert der Apenburger Ortschronist Schröder.

Der Tagesverdienst eines Handwerkers betrug damals ein bis drei Pfennige. Für einen Pfennig konnte sich der Bauer sechs halbe Bier kaufen. In den Städten der Altmark herrschte damals außerdem „Bierzwang“. Das heißt, man durfte bei Androhung von Strafe nur das örtliche Bier trinken.

Starke Streitmacht

Der Kurfürst zog beim Bierkrieg mit einer starken Streitmacht gegen die Aufständischen in den altmärkischen Hansestädten. Am 25. März 1488 musste Tangermünde Gehorsam geloben. Danach wandte sich Johann gegen Stendal als weiteres Zentrum des Widerstandes. Drei Tuchmacher ließ er mit dem Schwert hinrichten. Dann waren Osterburg und Salzwedel an der Reihe, wo zwei Aufständische durch das Schwert starben.

Auch Seehausen und Werben wurden letztlich zum Gehorsam gezwungen. Schließlich ließ Johann seine Bewaffneten gegen Gardelegen als die letzte Bastion des Widerstandes vorrücken, berichtet Günter Schröder. Fazit: Der Bierkrieg hatte der Alten Mark übel mitgespielt. Sie verlor ihren Status als Kernland der Mark Brandenburg. Berlin wurde endgültig Regierungssitz.

Die altmärkischen Hansestädte mussten hohe Geldbußen entrichten und verloren etliche Privilegien, darunter die Gerichtsbarkeit, das Münzrecht und die Heeresfolge. In den leeren altmärkischen Kneipen gab es „eine Runde Bier zum Abgewöhnen“ und eine alte Bauernweisheit machte als Dorftratsch die Runde: „Eine einmal beschlossene Steuer wird nie zurückgenommen.“

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