Der Klein Apenburger Detlef Weingart hat sich der Ponyzucht verschrieben / Familientradition seit 90 Jahren

Ein Leben ohne Pferde oder besser gesagt Shetlandponys? Das kann sich der Klein Apenburger Detlef Weingart nicht vorstellen. Die knuffigen Vierbeiner bereichern nicht nur sein Leben, sondern gehören schlichtweg zur Familie – seit er vor 64 Jahren geboren wurde.

Der Klein Apenburger Detlef Weingart kann sich ein Leben ohne Shetlandponys nicht vorstellen. Stute Shakira gehört zur kleinen und feinen Zucht. Bereits sein Vater Reinhard hatte sich den knapp einen Meter großen Mini-Pferden verschrieben.
Fotos: Meike Schulze-Wührl VOLKSSTIMME

Quelle: Von Meike Schulze-Wührl VOLKSSTIMME

Klein Apenburg – 90 Jahre Ponyzucht gibt es in diesem Jahr in der Großfamilie Weingart zu feiern. Denn so, wie einst Detlef Weingart die Leidenschaft für die Pferde von seinem Vater Reinhard in die Wiege gelegt bekam, sorgte er wiederum dafür, dass seine Kinder ebenfalls ein Faible für die Vierbeiner entwickeln. Allen voran Sohn Marcus, inzwischen 34 Jahre alt, verheiratet und selbst Vater.

Seit 1989 ist Familie Weingart in Klein Apenburg zu Hause. „Aufgewachsen bin ich in Seehausen“, erzählt Detlef Weingart. In der Stadt in der Ost-Altmark, gute 50 Kilometer von Apenburg entfernt, betrieb Reinhard Weingart ein Fuhrgeschäft. Bis in die 1920er Jahre wurden Pferde angespannt, unter anderem für die Postkutsche und den Leichenwagen. All das tauschte er dann allerdings gegen ein Taxi. Da es ganz ohne Pferde aber doch nicht ging, kaufte Reinhard Weingart 1932 das erste Pony. Er wollte „mit Pferden weiterleben“ und seinen großen Erfahrungsschatz bewahren und weitergeben. So hat er unter anderem nach dem Zweiten Weltkrieg aktiv mit anderen Gleichgesinnten wie Elli Reimann aus Breitenrode dabei mitgewirkt, Ponys und Kleinpferde zu erhalten und neu zu registrieren.

Shetlandinseln sind regelmäßiges Reiseziel

Sohn Marcus ist ganz und gar in den Fußstapfen von Großvater und Vater unterwegs und führt die Familientradition weiter.
Fotos: Meike Schulze-Wührl VOLKSSTIMME

Dem ausgelobten Motto, dass der erstgeborene Sohn ein Pony geschenkt bekommt, blieb Reinhard Weingart treu. So bildete Shetlandpony Lotti, das 1962 neues vierbeiniges Familienmitglied wurde, den Grundstock für die sich anbahnende Ponyzucht. „Lotti war mein Lieblingspony“, erzählt Detlef Weingart und erinnert sich an die kleinen und größeren Fahrten, die er später als Jugendlicher mit ihr erlebte.

Reinhard Weingart hatte aus gutem Grund auf die kleinen Shetlandponys gesetzt. Detlef Weingart: „Kleinpferde waren nach 1961/62 in der DDR nicht mehr erwünscht, Shetlandponys aber schon.“ In den 1970er Jahren erlebte die Shetlandponyzucht in der DDR dann einen wahren Aufwind. Vater Reinhard qualifizierte sich zum Zuchtrichter und Sohn Detlef begeisterte sich mehr und mehr für das Gespannfahren und außergewöhnliche Fuhrwerke. Nach der Lehre 1977 unternahm er seine erste große Tour durch das Mecklenburger Land. 1981 baute Detlef Weingart seinen ersten Römerwagen selbst, zwei Jahre später ist er erstmals Postkutsche gefahren, „mit sieben Ponys davor“. Zu den ungewöhnlichen selbst geschaffenen Fahrwerken gehören unter anderem Badewannen-, Boots- und natürlich Postkutschen.

„Ponys waren mein Leben und sind es hoffentlich noch eine ganze Weile“, wünscht er sich und iststolz, dass auch die Kinder damit aufgewachsen sind. So konnten sie einst bei einem Turnier in Winterfeld das Publikum mit einer eigenen Familienquadrille begeistern. Und Weingarts Auftritte mit dem Römerwagen bei der jährlichen Hengstgala in Salzwedel sind legendär.

Mit der Trabant-Kutsche fuhr Marcus Weingart als Jugendlicher zum Landgestüt Redefin. Fotos: Meike Schulze-Wührl VOLKSSTIMME

Heute kümmert sich Detlef Weingart noch um acht Shetty-Stuten und den Hengst Bonfire, den er im Jahr 2020 von den Shetlandinseln gekauft hat. Zuvor war er gemeinsam mit seiner Frau Kathrin 2018 und 2019 selbst auf die Inseln gereist, um zum Beispiel die internationale Showwoche für Shetlandponys mitzuerleben. „Über 4600 Ponys haben wir da gesehen“, erzählt er. Die Reisen auf die Inseln füllen alleine ganze Info-Abende. Und bald gibt es darüber sogar noch mehr zu erzählen, denn die Reise für dieses Jahr ist bereits gebucht.

Ganz und gar in Großvaters und Vaters Fußstapfen unterwegs ist Marcus Weingart. Er wohnt mit seiner Familie in Faulenhorst, hegt und pflegt dort fünf Shetty-Stuten und einen Hengst. Ausseinem Stall kamen schon etliche Schausieger. Marcus’ große Leidenschaft ist ebenfalls das Fahren. Als Jugendlicher und junger Erwachsener lebte er seine Abenteuerlust aus, lenkte unter anderem sein Ponygespann mit einer Trabant-Kutsche zur Schau ins Landgestüt Redefin (Mecklenburg-Vorpommern). Und so wie sein Vater und er selbst wachsen auch seine Kinder Silas(13), Merle (7) und Mila (3) – die beiden Großen brachte seine Frau Jane mit in die Ehe – mit den knuffigen, knapp einen Meter großen Mini-Pferden auf. Die Hoffnung ist also berechtigt, dass die Ponyzucht Weingart noch weit über das 100-jährige Jubiläum hinaus besteht, das im Jahr 2032 gefeiert werden soll.

Anlässlich des 90-jährigen Bestehens waren Weingarts übrigens Gastgeber des Shetlandpony-Stammtisches Sachsen-Anhalt, empfingen dazu Anfang Mai zahlreiche Gäste aus mehreren Bundesländern und ließen sie an ihrer Leidenschaft teilhaben.

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